In Schweden wird weltweit am wenigsten Bargeld genutzt. Was bedeutet das für Menschen, die auf Almosen angewiesen sind? Ein Ortsbesuch in Göteborg.
Vasile ist müde. Auf eine Krücke gestützt humpelt der 60-Jährige durch den Göteborger Hauptbahnhof. Ab und an kann er aus einem Mülleimer eine Pfanddose herausfischen. Für jede Dose bekommt er eine schwedische Krone – gerade einmal neun Cent. Der Rumäne geht auf eine Gruppe Reisender zu und bittet sie um Kleingeld. Sie hätten nichts Bares, sagt einer von ihnen. Vasile nickt, als habe er die Antwort erwartet, und zeigt auf ein Schild mit der Aufschrift „Bankomat“ ein paar Meter hinter ihm. Er weiß genau, wo die letzten elf Geldautomaten im Göteborger Zentrum stehen. Die Gruppe hat jedoch wenig Lust, extra für Vasile Geld abzuheben.
Der Obdachlose tritt aus dem Bahnhof in die graue Suppe des schwedischen Winters. Er humpelt in die gegenüberliegende Unterführung. Hier lässt er sich auf seinen Schlafplatz sinken: zwei Kissen, eine dünne Stoffdecke. Er beginnt, die Münzen in seinem Becher zu zählen. Acht Kronen – umgerechnet knapp 70 Cent. Vasile seufzt. „Es wird immer weniger“, erklärt er mithilfe einer Übersetzungsapp.
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