Proteste gegen Abschiebungen :
Zwischen Erfolg und Misserfolg

Etwa 30 Unterstützer protestieren am Flughafen gegen die Abschiebung einer bosnischen Familie. Mit Erfolg. Die Familie erhielt eine befristete Duldung. Die Abschiebung einer weiteren Familie aus dem Kosovo konnten die Aktivisten aber nicht mehr verhindern.

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Die Familie Seferovic hatte bereits die Koffer gepackt und wartete am Flughafen auf die Abschiebung.

In allerletzter Sekunde wurde am Mittwoch die Abschiebung einer Familie nach Bosnien gestoppt. Das Ehepaar Seferovic saß mit seinen beiden Kindern bereits auf gepackten Koffern am Flughafen, als sie die überraschende Nachricht erreichte. „Es lag wohl daran, dass auf die Schnelle kein Arzt aufzutreiben war“, sagt Zaklin Nastic, Abgeordnete der Linksfraktion in Eimsbüttel. Denn der Vater der beiden Kinder ist chronisch krank und auf Medikamente angewiesen. Eine Abschiebung hätte daher von einem Arzt begleitet werden müssen, bestätigt die Ausländerbehörde. Eine Auflage des Gerichtes, das erst kurz zuvor einen Eilantrag der Familie gegen die Abschiebung abgeschmettert hatte.

Da einer Abschiebung allerdings nicht grundsätzlich ein Riegel vorgeschoben wurde, begleitete Zaklin Nastic zusammen mit etwa 30 Unterstützern die Familie zum Flughafen. „Wir wollten sie nicht alleine lassen“, sagt Nastic, die im September 2013 die Familie kurz nach ihrer Ankunft in der Flüchtlingsunterkunft Lokstedter Höhe kennenlernte und seitdem unterstützt. „Frau Seferovic war schwanger und ich habe sie damals zum Arzt begleitet“, erzählt die 33-Jährige.

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Am Flughafen protestierten Freunde und Unterstützer gegen die Abschiebung der Familie.

Nastic hofft, dass die Familie in Deutschland bleiben kann. „Sie haben jetzt bei der Ausländerbehörde eine Duldung für einen Monat erhalten“, sagt Nastic. Ein Teilerfolg. Denn zuletzt musste sich die Familie alle zwei Wochen bei der Behörde melden. „Und in ihrer Heimat haben sie keine Perspektive“, fügt die Politikerin an. „Sie stammen aus dem Überschwemmungsgebiet in Bosnien. Dort ist alles zerstört. Sie stehen vor dem Nichts.“

Eine Ausnahme wird die Ausländerbehörde allerdings nicht machen, so Sprecher Norbert Smekal. Eine Abschiebung mit ärztlicher Begleitung wird vorbereitet. Denn in Hamburg gibt es keine Regelung wie etwa in Schleswig-Holstein. Dort werden Flüchtlinge und abgelehnte Asylbewerber aus einigen besonders kalten Ländern wie den Balkanstaaten in den Wintermonaten nicht abgeschoben.

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Die Polizei drängte Unterstützer von der Straße, um später die Abschiebung einer Familie aus dem Kosovo durchzuführen.

Auch in Sachsen gibt es keinen Abschiebestopp. Diese Erfahrung machten am Mittwoch die Unterstützer der Familie Seferovic. Denn die Freude über die abgeblasene Abschiebung verflog schnell, als die Unterstützer von einer weiteren Abschiebung am Flughafen Wind bekamen. Ein aus dem Kosovo stammender Vater und Sohn sollten von Dresdener Polizeibeamten über den Hamburger Flughafen in ihre Heimat transportiert werden. Einige Unterstützer versuchten den Transport zum Flughafen zu blockieren. Ohne Erfolg. Hamburger Polizeibeamten räumten unter Pfeffersprayeinsatz die Straße und machten den Weg für die Abschiebung frei.

Familie Seferovic bekam davon nichts mehr mit. Die Bosnier befanden sich bereits auf dem Weg zurück in ihre Unterkunft. „Wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass die Familie bleiben kann“, sagt Nastic. „Durch die Duldung hoffe ich, dass sie jetzt wenigstens ruhige Weihnachtstage gemeinsam verbringen können.“

Text: Jonas Füllner

Fotos: Daniel Müller