20 Jahre Hinz&Kunzt :
„Willen braucht man…“

Judith Rakers, Tim Mälzer, Michael Otto – und Helmut Schmidt machen mit bei der großen Gratulationskampagne zum 20. Geburtstag von Hinz&Kunzt. Mit Helmut Schmidt hatte Hinz&Kunzt-Geschäftsführer Jens Ade ein denkwürdiges Zusammentreffen.

(aus Hinz&Kunzt 240/Februar 2013)

Geburtstag haben wir zwar erst am 6. November. Aber bei einem 20-jährigen Jubiläum kann man im Grunde das ganze Jahr über feiern, dachten wir uns. Und da unser Geschäftsführer Jens Ade ein ehemaliger Werber ist, hat er sich mit seinen damaligen Kollegen Michael Kaese und Christiane Heldman und dem Fotografen Ivo von Renner eine Kampagne ausgedacht. Bekannte Hamburger sollten uns in originellen Riesenplakaten – im Fachjargon 18/1 – ihre Glückwünsche aussprechen, „aus ihrer eigenen Welt heraus und in ihren eigenen Worten“, sagt Jens Ade.

Vier Kandidaten sollen es sein: natürlich Moderatorin und Journalistin Judith Rakers, die seit einem Jahr unsere Botschafterin ist. Sie engagiert sich grundsätzlich für uns, weil sie findet: „Jeder braucht zwei Chancen im Leben. Mindestens.“ Speziell hilft sie uns, unseren Traum von einem eigenen Haus zu verwirklichen. Sie wissen: Unten im Haus soll das Projekt einziehen und oben etwa 15 Hinz&Künztler. Außerdem machen mit: der Fernsehkoch und Küchenbulle Tim Mälzer, der jedes Jahr eine Weihnachtsfeier für Obdachlose in der Bullerei ausrichtet. Und der Unternehmer Michael Otto, der sich mit seinem Projekt Cotton made in Africa für einen fairen und sozialen Handel einsetzt. Die Motive von Tim Mälzer und Michael Otto werden allerdings erst im Frühjahr und Sommer plakatiert. Dann kommen die beiden auch selbst zu Wort und werden vorgestellt.

Jens Ade hatte aber noch einen Wunschkandidaten, von dem er nicht zu hoffen wagte, dass er mitmachen würde. Sein Traum war es, Ex-Kanzler und Zeit-Herausgeber Helmut Schmidt für die Kampagne zu gewinnen. „Er hat schon bei der Sturmflut 1962 als Hamburgs Innensenator gezeigt, dass man Not lindern kann, indem man anpackt“, sagt Jens Ade, der damals elf Jahre alt war und sich noch gut an die Zeit erinnern kann. Außerdem gefiel uns, dass sich der Sozialdemokrat schon in den 90er-Jahren einem Aufruf von Zeit-Herausgeberin Marion Dönhoff angeschlossen hat. In „Zivilisiert den Kapitalismus“ kritisierte die Gräfin den hemmungslosen Kapitalismus, die Gier und den Verlust des Gemeinsinns. Das liest sich übrigens heute noch topaktuell.

Dazu passt ein Motto von Helmut Schmidt: „Eine Reduzierung des Menschen auf das Ökonomische ist verboten.“ Allen vier Kandidaten schrieb Jens Ade einen Brief. Sensationell! Nur zwei Tage später war die erste Antwort da, von Helmut Schmidt. Judith Rakers hatte gleich zurückgerufen. Die anderen Zusagen folgten auf dem Fuße.

Dann das Shooting, wie das auf Werber-Neudeutsch so schön heißt. Helmut Schmidt ohne Zigarette ist natürlich undenkbar. Und so ließ er sich in seinem Büro auch mit selbiger ablichten – und wählte ein entsprechendes Zitat: „Glückwunsch zu 20 Jahren Durchhalten. Willen braucht man. Und Zigaretten.“

Vor dem Shooting wollte er von Jens Ade aber erst mal ein paar Dinge erfahren: Woher denn unser komischer Name käme – und wie wir uns finanzierten. Als Jens Ade dem ehemaligen Kanzler erzählte, dass wir keine Zuschüsse bekommen und wir uns über den Verkauf des Magazins und zu 60 Prozent aus Spenden finanzieren, wollte Helmut Schmidt wissen: „Großspender?“ Ade verneinte: „Die meisten sind Kleinspender – und darauf sind wir auch sehr stolz.“ Großspenden seien aber besser, fand Schmidt. „Kleinvieh macht auch Mist“, sagte Ade. Daraufhin Schmidt schelmisch: „Großvieh macht aber mehr Mist.“

Sein Blick ging zum Eckfenster, aus dem man die Elbphilharmonie sehen kann. Offensichtlich ist Schmidt kein großer Freund des künftigen Konzerthauses. Da müsste man doch die ein oder andere Million abgreifen, sagte Schmidt. Jens Ade versicherte: „Wenn Sie mir sagen, wie das geht, mache ich das sofort.“

Text: Birgit Müller
Kampagnenmotive: Ivo von Renner

Dankeschön!
Unsere Geburtstagskampagne wurde nicht nur von den vier Prominenten, sondern auch von vielen Helfern unterstützt: Ivo von Renner mit Assistent Phillip Mall fotografierte die Serie honorarfrei, die Kreativen Michael Kaese (Text) und Christiane Heldman (Art) erarbeiteten pro bono Idee und Layout. Manfred Greiff machte die Bildbearbeitung, das Produktionsbüro Romey von Malottky übernahm die Produktion. PX2 übernahm die Litho und Andreas Hansen Plakatanschlag stellt Hinz&Kunzt 500 Flächen für ein Jahr kostenlos zur Verfügung. Die Druckerei Klingenberg&Rompel wiederum gewährte einen großzügigen Preisnachlass.